Nöltingstraße/ Ecke Am Born

Informationstafel zur Firma Menck & Hambrock und Kemal-Altun-Platz

Das Stadtteilarchiv Ottensen erinnert heute mit dem Menck-Bagger M-152 als beweglichem Industriedenkmal und der Informationstafel an den mit bis zu 2000 Arbeitsplätzen einst größten Ottenser Betrieb.

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Viehweide – Fabrikgelände – Bürgerpark

Die Fabrik Menck & Hambrock

Der ab Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende Industrieboom veränderte die dörfliche Struktur Ottensens. Viele neue Bewohner gründeten Firmen oder fanden Abeitsplätze und ließen sich hier nieder. 1867 wa Ottensen mit 7000 Einwohnern das größte preussische Dorf.

1868 erwarben die beiden Jungunternehmer Johannes A. Menck und Alexander Hambrock ein 2300 qm großes Stück Weideland an der Ecke Großen Brunnenstraße/ Papenstraße (Ottenser Hauptstraße), um dort ihr erstes Firmengebäude (Werk 1) zu errichten. Die Maschinenfabrik übernahm in den folgenden Jahren fast die gesamte Fläche des Platzes. Menck & Hambrock begannen den Betrieb mit 20 bis 25 Mitarbeitern. Das Unternehmen wuchs schnell und hatte 1894 schon 300 Beschäftigte, die immer neue Dampfmaschinen, Bagger, Kräne, Rammen, Fördermaschinen, Winden und Pumpen konstruierten und produzierten. Bis 1923 erwarben die Fabrikbesitzer auch die Polizei- und die dicht daneben liegende Feuerwache, sowie die Gebäude der Speise- und Kaffee-Halle und besaßen mit 13000 qm jetzt fast das gesamte Gelände. Der Platz wurde mit zahlreichen kleineren und größeren Werkshallen wie der Schmiede und dem Verwaltungsgebäude bebaut. Der Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes 1964, an der Großen Brunnenstraße, war die letzte größere Veränderung.

Das Ende des Firmenstandortes in Ottensen wurde 1965 mit dem Verkauf der Haupt-GmbH-Anteile an die amerikanische Koehring Company eingeläutet. Anfang der 1970er Jahre wurde die Produktion nach Ellerau verlegt. 1974 begann der Abbruch der Fabrikgebäude, zehn Jahre später gab es keinen Hinweis mehr auf die Firma.

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Kemal- Altun-Platz
In den 1960er und 70er Jahren sollte der Stadtteil Ottensen zu einer „City West“ umgebaut werden. Auf dem ehemaligen Menckgelände und anderen freiwerdenden Industrieflächen sollten Hochhäuser und Bürobauten entstehen. Diese Pläne konnten, auch wegen massiver Bürgerproteste, nicht realisiert werden. Stattdessen wurde mit der Sanierung des maroden Stadtbildes begonnen. Die Ottenser entdeckten die Industriebrache zum Spielen, Feiern, Feuer machen, für Open-Air-Kino und Flohmärkte. Ab 1980 begannen verschiedene Bürger – Initiativen den Platz in einen Stadtteilpark umzugestalten. Die Spielplatzinitiative Ottensen erstritt sich Am Born einen Teil des Geländes für einen Aktivspielplatz mit Spielplatzhaus.

Im Jahr 1983 sprang der kurdisch-türkische Asylbewerber Kemal Altun, aus Furcht vor seiner Abschiebung in die Türkei, aus dem 4. Stockwerk eines Berliner Gerichtes in den Tod. Die Bestürzung, die dieses Geschehen auslöste, und das Entsetzen über die Abschiebemethoden der deutschen Behörden veranlassten die Mitglieder der Menck & Hambrock-Initiative, dem Gelände den Namen Kemal-Altun-Platz zu geben. Der neue Name fand anfangs, eher im links-alternativen Bevölkerungsteil Zuspruch später, nach ungefähr zwei bis drei Jahren, war die Benennung Kemal-Altun-Platz in Ottensen weitgehend üblich geworden.

Ab Ende der 1980er Jahre bis Juli 2000, zogen Bauwagenbewohner auf den Platz. Nach deren Umzug, erbaute die Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen, auf etwa einem Drittel des Platzes, ihr Bürogebäude. Der verbliebene Rest des Platzes wurde in eine Grünanlage umgestaltet. Eine Beteiligung der Bürger bei dieser Gestaltung gab es allerdings nicht. 2006/07 knapp zehn Jahre nach der ersten offiziellen Platzgestaltung fand erneut ein Umbau statt, bei der dieses Mal die Anwohner ihre Wünsche zur Neugestaltung des Platzes mit einbringen konnten.

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Aufstellung eines Baggers der Maschinenfabrik Menck & Hambrock
an der Nöltingstraße/ Ecke Am Born. Fast 4 Meter hoch, 7,4 Meter lang und über 40 Tonnen Gewicht hat der Bagger M-152. Etwa 1954 verließ er das Werk in Ottensen und arbeitete zuletzt bei einer Tochterfirma der Philipp Holzmann AG in Würzburg, wo er 1992 ausrangiert wurde. Seit dem Abriss der letzten Werksgebäude von Menck & Hambrock 1984 gab es keinen Hinweis mehr auf die ehemals größte Maschinenfabrik Ottensens. Seit 1998 steht der Bagger für ein Stück Stadtteilgeschichte und zur Erinnerung an die Menschen, die hier arbeiteten. Der funktionsfähige Bagger wird 1-2 Mal im Jahr in Betrieb gesetzt, er darf allerdings nicht richtig ins Erdreich baggern oder hin und her fahren, die Vorführung ist aber trotzdem jedesmal eindrucksvoll und gut besucht. Die Wartung und das Vorführen sind immer mit Kosten verbunden während der Vorführdemonstration werden Spenden gesammelt damit können Sie dazu beitragen, dass die Geschichte lebendig bleibt!

(auf Wunsch gegen Spendenbescheinigung).

Stadtteilarchiv Ottensen e.V.
Stichwort: Menckmal
Geschichtswerkstatt für Altona

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