Vom Friedenseichenplatz zum Alma-Wartenberg-Platz

Verkehrsberuhigung

Verkehrsinsel Friedenseichenplatz

In den 1960er Jahren gehörte das Dreieck zwischen Bahrenfelder Straße und Friedensallee dem Kraftfahrzeugverkehr, der sich um eine „Verkehrsinsel“ staute. Leitbild für die Stadtplanung war seit der massenhaften Zunahme des privaten Automobilverkehrs vielerorts die „autogerechte Stadt“. Doch in dem historisch aus einem Dorf gewachsenen Ottensen mit seinem Netz von engen Straßen war ein reibungsloser Verkehrsfluss eine Illusion.

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Verkehrsinsel, um 1990, Foto: Stadtteilarchiv Ottensen

„Auf den schmalen Fahrbahnen kommen die Personenwagen, Lastautos, Straßenbahnen und Zweiräder nur mühsam vorwärts. Kreuz und quer gehen die Fußgänger über die Straßen und geraten immer wieder in Gefahr. Eine kleine dreieckige Insel mit eine Anschlagsäule, einer Verkaufsbude und drei winzigen Bäumen ist beim Überschreiten das Zwischenziel der Passanten.“ Hamburger Abendblatt, 23.3.1965

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Straßenbahn Ecke Kleine Rainstraße, 1970, Foto: Stadtteilarchiv Ottensen / Ingo Mecker

Bürgerproteste

Die „City West“-Pläne, die in den 1970er Jahren den flächendeckenden Abriss des Kerngebiets von Ottensen und ein Bürohaus-Viertel vorsahen, waren gekippt worden – nicht zuletzt durch den Widerstand der Ottenser Bevölkerung.

Doch seit der Fertigstellung des Elbtunnels und der Eröffnung der westlichen Autobahn nahm in Ottensen der Durchgangsverkehr zwischen City und Autobahn zu. Es formierte sich eine Protestbewegung gegen die Verkehrsplanung „von oben“. Die „Bürgerinitiative Verkehr“ kämpfte gegen zweispurige Autobahnzubringer durch die Straßenzüge Kepler- und Arnoldstraße sowie Klaus- und Eulenstraße. Nachbarschaftsinitiativen forderten „Verkehrsberuhigung“ und ein Verbot des Schwerlastverkehrs. Anwohner und Anwohnerinnen installierten selbstgemachte „Tempo 30“-Schilder, rollten Zebrastreifen aus und spielten Volleyballturniere auf den Straßen. Fahrradkonvois nach dem Motto „Radeln in Rudeln“ zwangen Autofahrer zum Schritttempo und blockierten Kreuzungen.

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Fahrraddemonstration am Spritzenplatz, 1981, Foto: Stadtteilarchiv Ottensen / Helmar Heyken

1982 erlitten zwei Kinder Verkehrsunfälle, ein Kind starb. Das Motto der Initiativen „Schleichen statt Leichen“ wurde traurige Realität. Es folgten tagelange Demonstrationen und Straßensperrungen.

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Trauer um verunglückte Kinder, 1982, Foto: Stadtteilarchiv Ottensen / Sylvia Gronostay

„Tempo 30“ in ganz Ottensen

Der Protest hatte Erfolg: Ottensen war der bundesweit erste Stadtteil, in dem überall „Tempo 30“ Vorschrift wurde. Die Menschen in Ottensen hatten sich erfolgreich gegen die Dominanz des Autoverkehrs durchgesetzt. Die Autobahnzubringer wurden auf eine Spur reduziert und die Eulenstraße wurde verschwenkt. Die Stadt legte die Pläne für den Abriss von Häusern und eine Bustrasse vom Bahnhof zum Spritzenplatz auf Eis, aus den Dreiecksplätzen entlang der Bahrenfelder Straße wurden statt Verkehrsinseln oder Parkzonen wieder Plätze für Menschen.

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