NS-Geschichte

Altona 1933 bis 1945

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Eltern verboten ihren Kindern den Umgang mit jüdischen Freunden. Quer durch Familien ging ein Riss – viele wollten mit jüdischen Verwandten nichts mehr zu tun haben. Schüler beschimpften und schlugen jüdische Mitschüler, Schulleiter entließen die Lehrerinnen und Lehrer jüdischer Herkunft. Die Leute schauten weg, wenn ihnen ihre Nachbarn mit dem Koffer in der Hand auf dem Weg zur Deportation begegneten … und sicherten sich dann bei Versteigerungen Hausrat und Wertgegenstände der Abtransportierten.Dies alles geschah im weltoffenen Altona. Bis zur Eingemeindung nach „Groß-Hamburg“ im Jahre 1937 war Altona selbstständige und größte in Stadt Schleswig-Holstein. Sie trug (und trägt) als Wappen ein offenes Stadttor, denn seit Jahrhunderten hatten religiös Verfolgte und Ausgegrenzte hier Zuflucht gefunden. Altona, so hieß es noch 1932, war „rot“: In den Arbeitervierteln Altona-Altstadt, Altona-Nord und im Arbeiterquartier von Ottensen wurde sozialistisch und kommunistisch agitiert, SA-Propagandamärsche stießen auf Gegenwehr. Die NSDAP konnte bis März 1933 hier keine Mehrheit bei den Reichstagswahlen erringen, die SPD stellte im Stadtparlament die größte Fraktion. Altonaer Oberbürgermeister war seit 1924 der Sozialdemokrat Max Brauer.
Doch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Deutschen Reich änderten sich die Verhältnisse. Am 11. März 1933 besetzte die SA das Altonaer Rathaus. Bei den Kommunalwahlen am Tag darauf kam die NSDAP zusammen mit ihren bürgerlichen Bündnispartnern an die Macht. Altona wurde Gau-Hauptstadt der NSDAP in Schleswig-Holstein. Im Mai 1933 begann der erste Sondergerichtprozess der NS-Justiz. Diejenigen, die den SA-Schlägertrupps beim „Altonaer Blutsonntag“ Widerstand entgegengesetzt hatten, wurden verurteilt, vier von ihnen zum Tode.

Bruno-Tesch

bruno-tesch-platz-einweihungDas als „Altonaer Blutsonntag“ am 17. Juli 1932 in die Geschichte Altonas eingegangene Datum, war ein Marsch von 7000 SA- und SS- Leuten aus Schleswig-Holstein. Der Marsch forderte 18 Todesopfer, die meisten erschossen von einer übermotivierten Hamburger Polizei. In einem Schauprozess verurteilte ein Sondergericht 1933 vier Männer zum Tode, darunter den zwanzigjährigen Bruno Tesch. Erst 60 Jahre später wurden die Unrechtsurteile aufgehoben.
In Altona waren bisher, nah beieinander im Gebiet der Ereignisse des „Altonaer Blutsonntags“ liegend, vier öffentliche Orte zum Gedenken an die ersten vier Justizopfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft benannt: der August-Lütgens-Park, der Walter-Möller-Park, die Karl-Wolff-Straße und die ehemalige Bruno-Tesch-Gesamtschule. Nach der Schließung der Schule und des Umzuges in die neu gebaute Louise-Schroeder-Schule, drohte der Name von Bruno Tesch in Vergessenheit zu geraten.
Der Ausschuss für Kultur und Bildung der Bezirksversammlung Altona und das Stadtteilarchiv Ottensen haben sich daher für den Erhalt des Gedenkens an Bruno Tesch eingesetzt. Im Rahmen einer kleinen Feier am 17. Juli 2008, um 11.00 Uhr den Bruno-Tesch-Platz im Straßenwinkel zwischen Große Bergstraße und Jessenstraße eingeweiht.

siehe auch unter Links: Digitale Bibliothek www.stadtteilgeschichten.net
dort sind unter Archive & Sammlungen bei Ottensen die Titel, bei Eingabe des Suchbegriffs: Nationalsozialismus, aus der Bibliothek des Stadtteilarchivs Ottensen zu finden.